Rolf Lappert: Die Gesänge der Verlierer

Melancholie als Melodie

Rolf Lappert: ein Meister des atmosphärischen Erzählens

 

Lappert_Gesänge

von Torsten Ehlers

Wie klingen sie denn, diese Verlierer? Beschreiben lässt sich dies nur ganz schwer und so kommt der Roman Die Gesänge der Verlierer auch daher. Vergleichbar erscheint dieses Werk in etwa mit dem Sound von Sigur Ros, Norah Jones oder The Fray. Ein Buch also nicht für jedermann und dennoch verpasst man eine Menge, wenn man es nicht gelesen hat.

Der Plot dieses Romans ist schnell auf den Punkt gebracht. Nicholas Tyler macht sich auf die Suche nach dem Leadsänger der Band, bei der er Manager ist. Zunächst hat er keinen Ansatz, wo er seine Suche beginnen soll, doch die Zeit drängt. Die Band steht kurz vor dem Durchbruch. Sie hat einen Studiotermin, zum Einspielen ihrer Songs. Ungünstiger könnte der Moment des Verschwindens eines Bandmitglieds nicht sein und dann ausgerechnet noch der Leadsänger, der dieser mittelmäßigen Band Charakter verliehen hat. Nicholas Tylers Suche führt ihn nach Los Angeles. Dort ist der Leadsänger seiner Band, bei der Stiefmutter, untergetaucht. Die Gründe seines Verschwindens erscheinen logisch, wenngleich sich die Geschichte des Verschwindens mit jedem Erzählen verändert. Diese ominöse und äußerst schwammige Geschichte bildet den Ausgangspunkt für die Flucht des Sängers und sie bildet die Ausgangslage für einen Roman, der genauso gut ein Drama sein könnte, aber mehr und mehr zu einem Road Trip umkippt. Nicholas Tyler vermag es nicht den Leadsänger zu einer Rückkehr nach London zu bewegen und so macht er sich auf, Amerika zu entdecken. Über die Stationen Los Angeles, Biloxi, Homestead bis in die Nähe von Miami geht seine Reise quer durch die USA. Dabei erlebt er die skurrilsten Abenteuer, die keineswegs durch Humor geprägt sind. Vielmehr lernt er die tragische Seite von Amerika kennen. Er erlebt eine Welt die außerhalb der Metropolen wie New York, Los Angeles und Chicago spielt und die an Traurigkeit der menschlichen Schicksale oder auch an Katastrophen ihresgleichensucht. Nicholas Tyler rechtfertigt vor sich selbst, weshalb er diese Reise eigentlich unternehmen will. Er ist auf der Suche, jedoch was er genau sucht, vermag er nicht zu bestimmen.

Nun ließe sich sagen, ein solches Werk, mit einem etwas zur Melancholie neigenden Protagonisten, ist doch nichts Neues. Dies stimmt soweit, doch nun kommt der Faktor der Atmosphäre hinzu und mit diesem vermag es der Autor Rolf Lappert in seinem Werk zu spielen. Es ist immer wieder erfrischend, mit welchen Bildern dieser Roman die Tristesse des Landlebens in Amerika zwischen den großen Küsten beschreibt. Auf der Reise durch die Tristesse Amerikas bestimmt nicht etwa der Autor, welchen Weg der Leser und auch die Gefährten einschlagen. Nein, Nicholas Tyler bestimmt ganz alleine. Er ist derjenige, dem der Leser folgt und seine Ziele und Motive folgen nicht immer dem klaren Menschenverstand. Genau dies ist der Grund, weshalb das Buch lesenswert ist. Nicht etwa, weil wir eine super spannende Geschichte erzählt bekommen, nicht weil wir nicht schon in anderen Büchern über gescheiterte Existenzen oder besser Verlierer gelesen hätten. Nein, ganz schlicht und einfach die Stimmung des Romans macht ihn lesenswert. Drum sei allen Lesern, die sich an atmosphärischen Büchern erfreuen, dieses Werk wärmstens empfohlen.

Rolf Lappert: Die Gesänge der Verlierer. dtv 13813. München 1995. 416 Seiten. 10,90 €.

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