Frank Goyke: Mörder im Zug

Kripo Rostock

Ungleiches Ermittlerduo sucht den Mörder im Zug

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von Torsten Ehlers

Kriminalromane folgen zumeist einem starren Rahmen. Es passiert ein Mord und danach wird der Mörder gesucht. Die Kripo ermittelt in alle Richtungen und mit einigen hoffentlich unerwarteten Wendungen in der Handlung schnappt man den Täter. Man weiß, was man vom Genre des Krimi erwarten kann. Das war schon bei den Sherlock-Holmes-Romanen von Arthur Conan Doyle oder auch bei den Miss-Marple-Romanen von Agatha Christie so. Aber ist das wirklich als spannend zu bezeichnen wenn schon seit einer gefühlten Ewigkeit immer das gleiche Strickmuster für einen Krimi verwendet wird? Mit welchen Variablen kann der Autor denn eigentlich noch spielen? Welche hat er zur Verfügung? Ganz klar den Ort, an dem er den Krimi spielen lassen kann. Seitdem der Tatort am Sonntag eine feste Institution im Fernsehen ist, die die verschiedensten Ermittlerduos in den verschiedensten Städten ins Rennen schickt, geht der Trend auch bei den Romanen zum Regionalkrimi. Eine weitere Variable, die schon zur Sprache gekommen ist, ist das Team, welches die Morduntersuchung leitet. Seitdem es das ungleiche Duo Boerne (Jan-Josef Liefers) und Thiel (Axel Prahl) als Mordermittler aus Münster gibt, sind dem Krimigenre in Form von schrillen und schillernden Polizeikommissaren keine Grenzen gesetzt.

Dies trifft auch auf das Duo in Frank Goykes Krimi Mörder im Zug zu. Barbara Riedbiester, alleinstehende und alkoholkranke „Dampframme“, so wird sie aufgrund ihrer Körperproportionen liebevoll genannt, und Jonas Uplegger, alleinerziehender und treusorgender Vater, bilden das ungleiche Kommissarenteam für das es einzig und allein darum geht, den Mord an Andriejus Medanauskas aufzuklären. Medanauskas wurde auf brutalste Art und Weise in der S-Bahn von Güstrow nach Rostock getötet. Niemand hat den Mörder gesehen oder kann sich einen Reim darauf machen, wer den Fischzuchtexperten Medanauskas ermordet haben könnte. Ein Motiv hätten einige gehabt. So führt die Spur zu einem zwielichtigen Geschäftsmann nach Güstrow oder auch zur lettischen Mafia oder gar zu einem verrückten Eremiten, der nur hin und wieder und zufällig in die Stadt nach Güstrow fährt, um nur ein paar Optionen aufzuzählen.

Frank Goyke bietet hier einen guten atmosphärischen Ostseekrimi an, der vor allem durch den Charme seiner Nebenfiguren glänzt. Ebenfalls überzeugend sind die Umschreibungen für einen regionalen Radiosender, der morgens einfach viel zu laut ist, um ihn zu hören und der mittels einer Glocke und einem übermotivierten Moderator in die Comedy abdriftet. Die Menschen, die aus Mecklenburg Vorpommern stammen und kommen, wissen hier schon welcher Sender gemeint sein könnte. Weiterhin überzeugen auch die Beschreibungen der verschiedenen Stadtteile Rostocks, wie zum Beispiel der östlichen Altstadt, der Südstadt und Evershagen.

Nur zwei Mankos bietet dieser Roman. Die eine Hälfte des Ermittlerduos ist zu klischeehaft angelegt. Barbara Riedbiesters Alkoholsucht musste wohl mit eingebaut werden, denn in jedem Krimi darf ein Polizist mit Alkoholkrankheit nicht fehlen. Das zweite Manko ist die Auflösung des Falls. Klar hilft der Zufall hin und wieder bei einer Mordermittlung, aber so mir nichts dir nichts und aus dem Zufall geboren wird in Goykes Roman der Täter gestellt. Es geschieht so plötzlich und auch fast ein wenig beiläufig, dass man es überlesen könnte, weil die Geschichten rund um die Figuren und Nebenfiguren viel spannender sind.

Dennoch bietet Mörder im Zug an einem regnerischen Abend und mit einem Glas Wein in der Hand oder auch als Urlaubslektüre bei einem Rostockbesuch eine sehr gute und wunderbar atmosphärische Unterhaltungsmöglichkeit. Stammt man aus Rostock, wird man die Charakterzüge der beschriebenen Menschen wiedererkennen. Alle, die Rostock noch nicht besucht haben, können hier einen kleinen Einblick bekommen, wie die Menschen hier so ticken. Nur keine Angst, besuchen sie Rostock ruhig und wandeln sie auf den Spuren von Riedbiester und Uplegger. Rostock ist nicht gefährlicher als jede andere Stadt in Deutschland, auch wenn man bei der Lektüre des Romans einen anderen Eindruck erlangen könnte.

Frank Goyke: Mörder im Zug. Hinstorff. Rostock 2011. 9,95 €.

https://www.hinstorff.de/programm/ostseekrimi/978-3-356-01422-8-moerder-im-zug.html

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