Julia Schoch: Selbstporträt mit Bonaparte

Amouröse Selbstaufgabe

Julia Schoch beschreibt ein zerbrochenes Beziehungsgemälde

SchochBonaparte

von Torsten Ehlers

Selbstporträt mit Bonaparte heißt das Werk von Julia Schoch. Lassen Sie sich einmal nur diese Worte vor Augen führen und blenden Sie das Buchcover aus. Was könnte alles in diesem Text stecken? Ein Maler, der ein Porträt von Napoleon Bonaparte malt, erinnert sich daran, wie es gewesen ist, als er dem „großen“ Kriegsherr begegnet ist. Also bietet uns Julia Schoch hier einen historischen Roman an? Mitnichten, aber das Thema des Porträts greift sie auf.

Vielmehr zeichnet Julia Schoch ein Beziehungsgemälde. Um es besser auszudrücken, handelt es sich um ein Zustandsbild einer Beziehung. Schnell wird auch klar, dass dieses Gemälde von tiefer Traurigkeit geprägt sein muss, denn die Beziehung zu Bonaparte, der im Übrigen so gar nichts mit der historischen Person zu tun hat, ist zerbrochen. Es handelt sich um einen Nachruf, gar ein Requiem auf eine zerbrochene Liebe. Die Protagonistin trauert dieser Beziehung nach. Es hat den Anschein, als ob diese Beziehung noch nicht lange vorbei ist. Oder aber die Protagonistin hat diese Trennung noch nicht überwunden. Sie kann sich in der Zeit der Beziehung zu Bonaparte nicht selbst sehen. Sie sieht sich nur durch eben diesen Bonaparte, hat sich also vollkommen in der Liebe zu ihm aufgelöst und ist in ihr aufgegangen. Sie sieht ihre eigene Geschichte nur im Zusammenhang mit einem Mann, der ihr eigentlich nie wirklich gehörte. Bonaparte war ein Zocker, sein Zuhause waren ganz klar die Casinos dieser Welt. Seine Leidenschaft gehörte dem Roulette. Er war bzw. ist ein pathologischer Spieler, der kommt und geht wann er will, und der eigentlich zu keiner Liebesbeziehung fähig ist.

Dies ist der Rahmen des Romans, in dem die Autorin andere Themen einbaut und aufgreift, so zum Beispiel die Veränderungen in ihrer Stadt, die Potsdam sein könnte, aber nicht sein muss. Mit diesen Veränderungen der Stadt kann die Protagonistin ebenfalls nicht umgehen, weshalb sie sich in die Beziehung mit Bonaparte gestürzt hat, vermutlich auf der Suche nach Halt. Vielleicht auch auf der Suche nach etwas, dass nicht ständigen Veränderungen unterworfen ist oder sich nicht so schnell verändert wie die heutige Welt. Ein weiteres Thema, dass im Roman aufgemacht wird ist das Roulettespielen, welches sich bereits bei Dostojewskis Der Spieler oder aber auch bei Hans Falladas Wolf unter Wölfen finden lässt. Dies sind literarische Referenzen, an der sich die Autorin vermutlich messen lassen möchte. Ebenfalls augenscheinlich ist die Bezugnahme auf Thomas Mann, denn das Spielen mit der Zeit in Selbstporträt mit Bonaparte erinnert stark an den Roman Der Zauberberg.

Würde man dieses Buch weiter untersuchen, ließen sich bestimmt weiter Bezüge zu anderen Autoren und Literaturgrößen finden und genau das ist das Problem dieses Romans. Es wirkt unausgegoren und allgemein. Es kratzt nur ein bisschen an der Oberfläche der Figuren und ist gespickt mit Verweisen auf Philosophen und andere Autoren, dass man meinen könnte die Autorin hätte keine eigenen Ideen. Zudem kommt die aufgesetzt wirkende DDR-Vergangenheit der Protagonistin des Romans, die ein bisschen danach klingt, als ob sie spielsüchtig werden musste, weil sie dies in der DDR ja nicht konnte. Selbstporträt mit Bonaparte ist ein unfertiger Zustandsbericht, der viel Potenzial in sich birgt, dass aber nur selten bis gar nicht ausgeschöpft wird. Greift man das Bild des Gemäldes noch mal auf und setzt Bild und Roman gleich, könnte man sagen: Diesem Roman fehlen die Konturen und Farben.

Julia Schoch: Selbstporträt mit Bonaparte. Piper. München. 2012. 144 Seiten. 16,99 €

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