Claudia Rusch: Zapotek und die strafende Hand

Claudia Rusch lässt Morden, wo andere Urlaub machen.

Zapotek und die strafende Hand

von Nicole Kutzner

Jemand lässt die Hand eines anderen los. Der andere stürzt tödlich. War es ein Unfall, ein Versehen, Totschlag oder vielleicht sogar Mord? Jemand stirbt kurz darauf durch Erhängen. War es Mord oder Selbstmord? Wochen später lässt wieder jemand die Hand eines anderen los. . .

Henning Zapotek ist Mitte Vierzig und Ermittler beim LKA Hamburg. Die letzten Jahre hat er darauf hingearbeitet, endlich sein Sabbatjahr nehmen zu dürfen, doch mehrere Todesfälle in seinem Familien- und Bekanntenkreis zwingen ihn dazu in seine Heimat nach Klokenzin, in der Nähe von Stralsund, zurückzukehren. Gleich in der ersten Nacht wird in sein Haus eingebrochen und die einzige Spur, die der Einbrecher hinterlässt, ist der in der Speisekammer eingesperrte Kater Nikita. Dieser Einbruch bildet schließlich den Auftakt zu Zapoteks Ermittlungen. Seine wenig motivierte Suche nach dem Einbrecher -schließlich befindet sich Henning Zapotek im Sabbatjahr und wollte jetzt schon Richtung Jan Mayen segeln- führt ihn schließlich in die örtliche Bootsbauerei. Während der zu Wutausbrüchen neigende Eigentümer jede Gelegenheit nutzt, sich mit Zapotek anzulegen, wird dessen schrullige und unterdrückte Frau im Verlaufe des Buches zu Zapoteks Co-Ermittlerin. Beide untersuchen aber längst nicht einfach nur einen Einbruch. Wochen vor Zapoteks Ankunft in Klokenzin, wird sein Bekannter und Verwalter seines Hauses, erhängt aufgefunden. Wiederum einige Tage vorher ist dessen Vater in der Bootsbauerei ums Leben gekommen.

Natürlich darf eine Liebesgeschichte am Rande auch nicht fehlen und die erscheint in diesem Buch in Form von Zapoteks alter Jugendliebe. Obwohl Zapotek Ulrike niemals vergessen konnte und sie zum Prototyp der perfekten Frau wird, an der alle folgenden Frauen scheitern müssen, steht die Vergangenheit einer erneuten Annäherung im Weg. Denn den Plan zu seiner Flucht aus der damaligen DDR verwirklichte Zapotek ohne Ulrike einzuweihen.

Ein hurmorvoller Reisekrimi

Mit Zapotek und die strafende Hand reiht sich Claudia Rusch in den neuen Trend der Ostseekrimis ein. Diese funktionieren offensichtlich deshalb so gut, weil sie an einem der beliebtesten Urlaubsorte in Deutschland spielen. Und wer erlebt in seinem Urlaub nicht auch gern mal ein Abenteuer? Und wenn dieses Abenteuer schon nicht in Wirklichkeit passiert, dann wenigstens in einem Buch.

Zweifelsohne ist Claudia Ruschs Krimi eine Lektüre für den Urlaub oder wenn man sich einfach nur nach einem Urlaub an der Ostsee sehnt. Ruschs unkomplizierter Schreibstil ermöglicht einen leichten Einstieg in die Handlung, deren weiterer Verlauf nach einigen 20 Seiten offensichtlich zu sein scheint, wenn nicht zum Schluss die überraschende Auflösung käme. Die Authentizität der Charaktere, die einen vor allem durch ihren Alltagshumor in den Bann ziehen, lässt einen zwischenzeitlich vergessen, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt. Vermutlich auch deshalb, weil wir es nicht mit einem prototypischen „Bullen“ zu tun haben, wie man ihn in vielen anderen Krimis findet. Dieses Buch bereitet jedem Vergnügen, der die malerische Landschaft der Ostsee liebt oder dörfliche Idyllen, wie sie Caroline Graham für die Bücher ihres Inspector Barnaby geschrieben hat. Wir dürfen also gespannt sein, wie viele Fälle Henning Zapotek noch in Zukunft lösen wird.

Claudia Rusch: Zapotek und die strafende Hand. Mareverlag. Hamburg 2013. 288 Seiten. 14,95 €.

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