Rolf Lappert: Pampa Blues

Irgendwo im Nirgendwo

Wie die Pampa zum Leben erweckt wird

 

von Torsten Ehlers

Eigentlich ist ganz schön viel los in dieser Pampa namens Wingroden, so heißt der Ort in dem die Handlung des Romans Pampa Blues spielt. Da fragt man sich, wer will da eigentlich noch abhauen? „Ganz klar ich! Gestatten: Ben Schilling. Ich verabscheue dieses Leben hier in Wingroden. Es ist eintönig, es ist ständige Arbeit, sich um meinem dementen Großvater zu kümmern. Ich könnte viele weitere Dinge oder Sachen aufzählen, die mich an Wingroden stören. Es sind immer dieselben Gestalten hier. Ich mein, ich bin 17, in drei Jahren 20. Was habe ich bisher schon erlebt? Habe ich überhaupt gelebt? Wingroden ist dieses typische Nirgendwo. Wussten Sie, dass man aus Wingroden wirklich Nirgendwo basteln kann?“

So könnte man den Jugendroman von Rolf Lappert aus der Perspektive seines Protagonisten Ben Schilling, aus dessen Sichtweise der Roman geschrieben ist, auf den Punkt bringen. Wenn man ihn denn mit den Augen Bens sehen möchte, aber Bens Perspektive ist zu einseitig. Wingroden hat durchaus etwas zu bieten. Es gibt dort nämlich nicht nur Ben und seinen Großvater. Es leben dort einige Bauern, ein unglückliches Pärchen, das vor einiger Zeit bestimmt ineinander verliebt gewesen ist, und es gibt Maslow und seine Angestellten. Maslow ist der Mann von Welt in Wingroden. Er ist der Einzige, der schon mal außerhalb dieses Nestes gelebt hat und das mit Erfolg. Ein kleines Vermögen hat er ansammeln können und er ist dennoch nach Wingroden zurückgekommen. Sein Ziel ist es, Wingroden auf die geographische Landkarte zu bekommen. Seine Mittel, dies zu erreichen, sind äußerst fragwürdig. Er will Gerüchte über eine UFO-Sichtung in Umlauf bringen und den Ort so zu einem Touristenmagneten für Alien-Fans machen. Letzten Endes kann er einen Erfolg verbuchen, wenn auch anders als er es sich vielleicht vorgestellt hat.

Kann man eigentlich einen Ort auf der Landkarte etablieren, der durch UFO-Sichtungen berühmt geworden ist? Ja, kann man, denn Maslow kennt natürlich auch Roswell und auch die geheimnisumwitterte Area 51. Doch zumindest höchst fragwürdig mutet dieses Unterfangen dennoch an. Um die beiden Charaktere Ben und Maslow entspinnt sich eine spannende und atmosphärische Geschichte, die natürlich gewürzt wird mit einer Frauenfigur, die man zunächst nicht ganz einzuordnen vermag. Es gibt rings um diese Frau zu viele Fragezeichen, die sich der Leser zum Teil selbst beantworten sollte. Über diese Charaktere Ben und Maslow hinaus ist dieser Roman mit weiteren Personen gespickt, die es durchaus verdient hätten einen größeren Einfluss auf die Hauptgeschichte und deren Protagonisten zu nehmen. Doch leider schafft es Rolf Lappert in Pampa Blues nicht, deren Potenzial auszuschöpfen und so bleiben sie allenfalls schmückendes Beiwerk.

Rolf Lappert beweist in Pampa Blues wieder einmal seine Fähigkeiten als atmosphärischer Geschichtenerzähler. Der erste Versuch einen Jugendroman zu schreiben ist ihm gut gelungen. Doch einschränkend muss man sagen, dass ihm sein Roman zu seicht gerät. Viele Nebenfiguren wirken nicht ausgeschöpft und im gesamten Roman, mal abgesehen von Maslow vielleicht, gibt es keine negativen Figuren. Und selbst Maslow liest sich nicht wirklich als Antagonist. Selbst diesem verschrobenen Kerl lässt sich etwas Positives abgewinnen. Was das sein könnte, sollte der Leser selbst herausfinden. Doch Vorsicht: Leser, die ein Problem damit haben, dass eine Lektüre zu sehr nach Verfilmung schreit, werden an diesem Roman keine Freude haben. Denn im Großen und Ganzen wirkt die Erzählung wie am Reißbrett eines Drehbuchschreibers entworfen und es geschehen kaum Dinge, die man so nicht erwarten konnte. Darüber hinaus sei auch allen Lesern, die nicht auf eine Friede-Freude-Eierkuchen-Mentalität oder Happy-Ends stehen, gesagt, Finger weg von diesem Buch. Bis auf den Versuch, dass Ben seinen dementen Großvater versucht ins Altersheim abzuschieben, ist dieser Roman doch sehr harmonisch geraten. Pampa Blues ist ein Roman vollgestopft mit Lebensläufen, die zugegeben bisweilen absurd, manchmal auch einen Tick zu klischeehaft, aber vom Potenzial zu selten ausgeschöpft sind. Dennoch bleibt dieser Roman eine unterhaltende Lektüre für einen gemütlichen Sommerabend.

Rolf Lappert: Pampa Blues. Hanser. München 2012. 14,90€.

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