Dorothee Dziewas: Eine kleine Lady

Die einfühlsame Geschichte einer Frau, die das Schreiben als Bekehrung verstand und dadurch half, eine ganze Nation zu befreien.

von Nicole Kutzner

Historischer Hintergrund

Wenn man die Kolonialisierung Amerikas vom 16.- 19. Jahrhundert betrachtet, muss man sich zwangsläufig auch mit der Versklavung hunderttausender Menschen auseinandersetzen. Innenpolitisch problematisch wird die Versklavung allerdings erst mit der Gründung der USA, deren politisches Programm auf der Idee der Freiheit basierte und so im Konflikt zur ökonomischen Entwicklung des Landes stand, die auf die Arbeitskraft der Sklaven angewiesen war. Die Auseinandersetzung mit der Sklavenfrage fand nicht nur auf politischem Boden statt, sondern spiegelt sich auch in vielen literarischen Werken dieser Zeit wieder, wie beispielsweise bei John Greenleaf Whittier, Olaudah Equianos und Frederick Douglas.

Den mit Abstand größten Erfolg, zumindest in den Nordstaaten, hatte aber das Buch von Harriet Beecher Stowe Uncle Toms Cabin. Dorothee Dziewas erzählt in ihrem Buch Eine kleine Lady über das Leben der Autorin die diesen beeindruckenden Roman geschrieben hat. Abraham Lincoln soll sie in einem persönlichen Gespräch, wie es hier heißt, als kleine Lady bezeichnet haben, deren Buch in der Lage war, einen so großen Krieg wie den amerikanischen Bürgerkrieg auszulösen.

Kindheit und Jugend

Harriet Beecher Stowe wurde als Tochter eines kongregationalistischen Geistlichen geboren, der sie bereits in der Kindheit mit den Losungen von Schuld, Sünde, Buße und Erlösung konfrontierte. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Harriet früh nach ihrer Bekehrung sucht. Aber egal wie sehr sie sich bemüht eine gute Christin zu sein, eine Bekehrung wie sie Saulus und Moses widerfahren ist, will sich einfach nicht einstellen. So macht Harriet ihren Schulabschluss, um anschließend in der Mädchenschule ihrer Schwester als Lehrerin zu arbeiten. Nach ihrem Umzug nach Cincinnati lernt sie ihren späteren Ehemann – den Theologen Calvin Stowe – kennen, der sie zum schreiben ermutigt.  Auch er war ein bekennender Gegner der Sklaverei und sowohl er als auch Harriet waren über die unhaltbaren Zustände im Süden schockiert. Den maßgeblich größten Einfluss auf die Zivilbevölkerung des Nordens hatte aber das Sklavenfluchtgesetz, nach dem die Sklavenbesitzer ihre geflüchteten Sklaven aus den Nordstaaten zurückholen durften. Im Zuge dieser Gesetzesänderung mussten auch Harriet und Calvin ihrem geflohenen Hausmädchen zur Flucht nach Kanada verhelfen und im Zuge dieser aufreibenden Ereignisse entsteht schließlich Uncle Toms Cabin.

Dorothee Dziewas Roman Eine kleine Lady ist eingebettet in die historischen Ereignisse des 19. Jahrhunderts, die von der Autorin auf derart leichte Weise in die Biographie von Stowe eingearbeitet werden, dass man meinen könnte, Stowe selbst hätte für dieses Buch zum Interview bereit gestanden. Die Verbindung von historischen bzw. biographischen Fakten und fiktiven Charakterzügen der Protagonistin gelingen der Autorin so mühelos, dass man Wahrheit und Fiktion einfach nicht zu unterscheiden vermag. Dorothee Dziewas besitzt innerhalb des gesamten Buches die Fähigkeit den Fokus einzig auf die Ereignisse in Stowes Leben zu setzen, die maßgeblich für die Entstehungsgeschichte von Uncle Toms Cabin sind. So wird beispielsweise der tief religiöse Hintergrund, der kennzeichnend für Stowes Leben und Wirken ist, kurz und präzise herausgestellt. Denn Stowe selbst verwies oft darauf, dass Gott sie zu diesem Roman bekehrt hätte. Eine kleine Lady ist einerseits ein gut recherchierter Roman, in dem es die Autorin schafft, die wichtigsten historischen Fakten herauszustellen -ohne in der Informationsflut zu versinken- andererseits vernachlässigt sie es auch nicht -aufgrund von fundierten biographischen Fakten- der Protagonistin ein eigenes Gefühlsleben einzuhauchen.

Dorothee Dziewas: Eine kleine Lady. Brunnen Verlag. Giessen/Basel 2011. 155 Seiten. 11,99 €.

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