Stephen Baxter: Doctor Who. Rad aus Eis

Dem Inneren des Eismondes auf der Spur

Stephen Baxter beschreibt die Abenteuer des Doctors auf einem Saturnmond

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von Torsten Ehlers

Die TV-Serie der BBC rund um Dr. Who ist Kult. Längst gibt es in England Merchandise-Artikel en masse. Dürfen es die Staffel-Boxen auf DVD oder Blu-ray sein? Oder lieber Dr. Who Plüschtiere? Sogar in die Bücherregale schaffte es der Doctor. Dieser Trend, den Doctor in Buchform zu erleben, schwappt jetzt so langsam auch auf Deutschland über. Im Verlag Cross Cult erschien nun auch ein Dr. Who-Roman, von niemand geringeren als dem Science-Fiction-Autor Stephen Baxter. Bekannte Buchserien von ihm sind u.a. die Mammut-Trilogie und die Bücher rund um das Multiversum. Baxter reiht sich damit in eine Riege von namhaften Autoren ein, die bereits eine Erzählung oder einen Roman über den Doctor geschrieben haben. Als Beispiel seien hier  Neil Gaiman, Douglas Adams oder auch Eoin Colfer genannt. Die Messlatte liegt demnach hoch, aber Stephen Baxter meistert diese Hürde.

Im neuesten Roman Rad aus Eis reist die TARDIS, ein/e Raumschiff/Zeitmaschine, die in der Optik wie eine englische Telefonzelle aussieht, mit der zweiten Inkarnation des Doctors sowie dessen Begleiter Zoe Heriot und Jamie McCrimmon zu einer Minenkolonie in der Nähe des Saturn. Zunächst erleiden die drei Schiffbruch und werden von der jungen Einwohnerin Phee Laws sowie dem Computerprogramm MMAC gerettet. In den Minen suchen die Bewohner eines Saturnmondes nach einem seltenen Metall. Doch was verbirgt sich im Kern dieses Mondes? Es gibt rätselhafte Zwischenfälle und auch rätselhafte Vorkommnisse auf diesem Mond. Die Bewohner werden von kleinen blauen Wesen angegriffen, die einem menschlichen Baby nachempfunden sind. Doch woher kommen diese und gibt es auch erwachsene Wesen? Dieser Frage versuchen der Doctor, Zoe und Jamie auf den Grund zu gehen. Doch als ob dies nicht schon schwierig genug wäre, geraten die drei auch noch in einen Konflikt innerhalb dieser Gesellschaft.

Der ewige Generationenkonflikt

Wie in jeder Gesellschaft gibt es hier ebenfalls einen Generationenkonflikt. Die Firma, welche die Bohrungen in diesem Mond durchführt, gibt den rebellischen Jugendlichen die Schuld an sämtlichen Vorkommnissen und Todesfällen in den Minen. Dass die Jugendlichen zu einem sehr ausschweifenden Leben neigen, indem sie zum Beispiel mit ihren Raumschiffen, die einem Motorrad (nur fürs All) sehr ähnlich sehen, in teilweise waghalsigen Manövern durch das All fliegen, ist den Erwachsenen ein Dorn im Auge. Auch eine „Komm ich heut nicht, komm ich morgen“-Einstellung wird diesen Jugendlichen vorgeworfen. Dabei rebellieren diese jungen Menschen nur gegen ein Leben als menschliche Roboter, denn das Unternehmen, für das sie arbeiten, sieht in ihnen nichts anderes als eine menschliche Maschine, die eine Arbeitskraft in die Waagschale und in den Produktionsprozess einzubringen hat. Für nichts anderes sind sie da. Die Jugendlichen kämpfen gegen diese Ansicht an und wollen keine Arbeit mehr, in der sie nur zwischen der Minenarbeit und dem Schlaf in ihrer Kabine wechseln. Sie wollen leben, Spaß haben und sich hin und wieder erholen. Dieser Konflikt geht sogar soweit, dass die Jugendlichen von der Chefin des Unternehmens festgesetzt werden und zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt werden sollen. Doch soweit kommt es nicht, denn die Grabungen und Ausbeutungen auf dem Mond sind zu weit fortgeschritten und die Gesellschaft ist nicht nur in ihrem Inneren, sondern auch von außen bedroht.

Raubtier Mensch

Das Raubtier Mensch hat sich nämlich auf seiner Suche nach Rohstoffen zu weit vorgewagt und stößt auf etwas sehr Altes im Kern des Mondes. Die gesamte Stabilität des Ökosystems wird von diesem Kern aus kontrolliert und sämtliche Rohstoffe, die der Mensch abgebaut hat, scheinen zu einem großen Ganzen zu gehören, dass der Mensch nicht erkennen kann, weil er dieses Ökosystem nicht durchschaut und nur den Profit sieht, der durch diese Rohstoffe erzielt werden kann. Hier lässt sich eine Parallele zur heutigen Erde sehen, denn auch auf unserem Heimatplaneten wütet das Raubtier Mensch, zerstört Ökosysteme und verursacht vermutlich auch eine natürliche Katastrophe.

Stephen Baxter gelingt ein weiteres spannendes Abenteuer rund um Doctor Who. Der Roman ist spannend und gut erzählt und für Dr. Who-Fans ein Muss. Die Tradition des Doctors lässt er wie all seine Vorgänger weiterleben. Sein Talent für Science-Fiction Stoffe ordnet er der Marke und dem Kult rund um Dr. Who gekonnt unter. Baxter erweitert diesen sogar noch um seine eigene wenn auch dezente Note. Nur ein negativer Punkt ist festzustellen. Der ist aber leider so gravierend, dass er den Lesespaß und den Lesefluss mehr als stört. Dieses Buch ist einfach unglaublich schlecht lektoriert. Kommafehler sind gefühlt auf jeder fünften Seite zu finden. Druckfehler sogar auf jeder zweiten Seite. Ständig stolpert man beim Lesen über das Wort „in“, das eigentlich „ihn“ hätte geschrieben sein müssen. Dieser Umstand trübt die Lesefreude zu sehr, als dass sich dieses Buch uneingeschränkt empfehlen ließe.

Baxter, Stephen: Doctor Who. Rad aus Eis. Aus dem Englischen von Claudia Kern. Cross Cult. Ludwigsburg 2013. 430 Seiten. 22 €.

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