Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich

Hat der Tod Humor?

Wenn nicht, kann er ihn von Thees Uhlmann lernen

UhlmannSophiaTodIch

von Torsten Ehlers

Thees Uhlmann ist eigentlich bekannt als Musiker, der mit seiner Band Tomte oder auch als Solokünstler CDs veröffentlichte, die sich bei dem einen oder anderen Hörer großer Beliebtheit erfreuen. Was befähigt einen solchen Musiker eigentlich ein Buch zu schreiben, noch dazu einen Roman? Zunächst denkt man, hoffentlich wird es nicht wie dieses Buch Soundtrack meiner Kindheit von Jan Josef Liefers. Nichts gegen Jan Josef Liefers, aber sein Buch verkaufte sich nur, weil er ein bekannter Tatort-Schauspieler ist. Dann doch lieber einen „Musikroman“ à la Soloalbum, das im Prinzip als eine Liebeserklärung an die Brit-Pop Band Oasis gelesen werden kann? Zumindest einen Punkt erfüllt Benjamin von Stuckrad-Barres Roman, er ist unterhaltsam.

Ob dies auch auf Uhlmanns Sophia, der Tod und ich zutrifft, lässt sich anhand des Klappentextes nicht erkennen. Die Inhaltsangabe gibt auch nicht viel her. Der Protagonist, seines Zeichens Altenpfleger, steht eines Morgens auf, als es an seiner Tür klingelt. Es ist der Tod, der dem Protagonisten offenbart, dass seine Lebenszeit abgelaufen ist. Doch irgendetwas geht schief und so verlängert sich die Zeit auf Erden noch ein wenig und er geht mit dem Tod auf Reisen. Unterwegs zu seinem Sohn, den der Protagonist noch nie gesehen hat, sammeln sie noch die Mutter des Protagonisten und die Ex-Freundin ein und so entspinnt sich ein sehr irrwitziger und grotesk anmutender Roadtrip, der auch gut und gerne so gelesen werden könnte, dass das Leben des Protagonisten noch einmal auf sehr originelle Art und Weise abläuft.

Der Tod schätzt das Leben und lernt Humor

Eigentlich ist der Job des Todes eher langweilig und trostlos. Er bekommt einen Auftrag, „hol den oder die ab und bring sie zur Himmelspforte“, wo dann entschieden wird, wohin die weitere Reise des zu Holenden hingeht. Doch im Roman von Thees Uhlmann lernt der Tod das Leben kennen. Er erfreut sich am Geschmack von Kaffee, Nudeln und Marmelade. Eigentlich simple Alltagsdinge, die wir Menschen nur noch bedingt zu schätzen wissen. Zudem schafft der Tod es, das Leben des Protagonisten ordentlich durcheinander zu bringen. Jeder, dem dieser nun begegnet, muss zunächst mit dem Tod und ihm mitreisen, weil niemand weiß, was passiert, wenn sich dieser wieder entfernt. Möglicherweise stirbt dieser jemand dann. Da die weiteren Begleiter sehr norddeutsch schroff aber herzlich sind und sich die festen Reisebegleitungen als Ex-Freundin und Mutter des Protagonisten herausstellen, nimmt das Ganze sehr groteske aber auch sehr humorvolle Züge an. Der Protagonist gerät in diversen Situationen mit den beiden Frauen in seinem Leben aneinander. Sie denken über sein Leben nach und kommen nicht umhin festzustellen, dass sie gegen ihn und seine Art zu leben sind und werfen es ihm unverblümt vor. Dies trifft sogar auf den Tod zu, der Mitleid mit dem Protagonisten hat, weil dessen Leben zu Ende ist, ohne dass dieser wirkliche Freude kennenlernen durfte. Apropos Tod, dieser erinnert in seiner Art der Darstellung stark an Terry Pratchetts Figur des Todes, der in den Scheibenweltromanen das Gleichgewicht zwischen Tod und Leben immer wieder unfreiwillig durcheinander bringt und dabei auch unfreiwillig komisch ist. Der einzige Unterschied zwischen Uhlmanns Tod und Pratchetts Tod ist der, dass der Tod in Sophia, der Tod und ich Humor lernt. Zunächst wirkt dieser Humor noch sehr platt. Uhlmann lässt den Tod Sachen sagen wie „Da bist du mir aber noch mal von der Schippe gesprungen“. Zudem sucht sich der Tod den Namen Morten de Sarg aus. Das ruft allenfalls ein Schmunzeln hervor, erreicht aber keineswegs gehobene Humorstufen. Diese Plattheiten legt der Tod jedoch sehr schnell ab und ist auch in der Lage, wesentlich tiefschürfenden Humor an den Tag zu legen, den aber jeder für sich selbst entdecken sollte.

Thees Uhlmann liefert mit Sophia, der Tod und ich einen sehr humorvollen Roman ab. Dieser lebt von seinen tollen Figuren, die sich immer wieder einen verbalen Schlagabtausch liefern, die einen beim Lesen teilweise Tränen lachen lassen. Zudem beschäftigt sich Uhlmann mit Fragen wie: Muss der Tod eigentlich pinkeln? Kann der Tod einen Alkoholkater bekommen? Oder aber auch, ob der Tod schlafen muss? Es steht aber nicht nur der Humor im Mittelpunkt, auch Uhlmanns eigene Sprache entwickelt vom Anfang bis zum Ende eine solche Direktheit, dass man meint, in den Roman hineingezogen zu werden. Man möchte das Buch gar nicht mehr weglegen und am Ende denkt man: „Schade es ist schon vorbei.“ Das Ende kommt zwar nicht plötzlich und ist auch zufriedenstellend, aber man hätte doch auf die eine oder andere offene Frage gerne eine Antwort bekommen.

Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich. Kiepenheuer und Witsch Verlag. Köln 2015. 320 Seiten. 18,99 €.

 

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Ein Kommentar zu “Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich

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