Wechselseitig: Wir als Leser

Und wie geht es weiter?

Die Krux mit den Cliffhangern.

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von Joma Jour

Das Buch ist zwar zu Ende, aber die Geschichte noch lange nicht, denn sie gehört zu einem Mehrteiler. Und bringt mich als Leser in die Bredouille. Ich lese wirklich gern Serien. Man kann längere Zeit mit den Charakteren verbringen und ihren Weg begleiten. Nur enden Mehrteiler gerne mit einem sogenannten Cliffhanger oder eine Storyline hat noch kein eindeutiges Ende gefunden. Mich lassen sie allerdings auf heißen Kohlen sitzen. Schrecklich! Ich will doch wissen wie es weitergeht und zwar am besten sofort! Aber…
Dieses „aber“ kann vielfältig sein. Worst-Case-Szenario ist bestimmt folgendes: Das nächste Buch ist noch gar nicht erschienen. Wer hat schließlich nicht schon mal eine gefühlte Ewigkeit auf ein Buch gewartet, gewartet und gewartet? Eine ganze Generation von Harry-Potter-Lesern weiß bestimmt, wovon ich rede. Kaum ist das gewünschte Buch erschienen(man ist schließlich durch Internetrecherche gut informiert, wann es endlich rauskommt), stürzt man in den nächstbesten Buchladen, um es in den Händen halten und endlich weiterlesen zu können. Besonders schlimm ist es, wenn die Autoren Jahre brauchen das nächste Buch zu schreiben. Bei manchen Büchern, wie z.B. der Fortsetzung von Jasper Ffordes Grau, warte ich schon bestimmt mehr als vier Jahre. Da lob ich mir die Schnell- und Vielschreiber!
Schlimm ist es auch, wenn der Verlag einen Erscheinungstermin veröffentlicht, diesen dann aber wieder verschiebt. So ist es z.B. bei Walter Moers und Ben Aaronovitch passiert. Natürlich, wenn man solange auf ein Buch warten muss, hat man eigentlich vergessen, was schon alles in der Geschichte passiert ist, die man bereits gelesen hat, aber was bleibt, zumindest bei mir, ist das ungeduldige Warten. Ich weiß noch immer ganz genau, dass ich nach dem vorigen Teil sofort wissen wollte, wie es weiter geht. Also warte ich und warte ich.

Anders sieht es aus, wenn der nächste Teil schon erschienen ist. Da befinde ich mich dann plötzlich in einem ganz anderen Teufelskreis. Muss ich wirklich sofort das Buch kaufen? Ich könnte ja auch erst einmal ein anderes Buch lesen. Schließlich liegen meist genug Bücher zuhause rum und warten darauf, dass ich sie erlöse und lese. Aber es gibt Tage, da ist mir das egal. Da würde ich am liebsten alles stehen und liegen lassen und mir den nächsten Teil auf der Stelle kaufen. Wenn da nicht diese Stimme im Kopf wäre, die mir immer wieder sagt: „Du brauchst das Buch nicht jetzt in diesem Moment.“ Doch, doch, ich brauche es, ich will es! Lösungen? Jede Möglichkeit meiden, wo ich das Buch kaufen könnte. Also bloß nicht in die Nähe eines Buchladens kommen! Internet? Nein! Meistens ist es ja eh so, dass sich das unbedingte Verlangen, dieses Buch sofort zu besitzen, nach einiger Zeit legt. Das heißt, ich muss nur diese Zeit, vielleicht eine Woche, überstehen. Und doch erwische ich mich dabei, wie meine Gedanken sich um das Buch drehen. Das Ende war einfach zu spannend. Ich will, nein, ich muss wissen, wie die Geschichte weitergeht. Was für eine Lösung hat der Autor wohl für den Cliffhanger oder die Charaktere erdacht? Was mache ich also? Klar, ich gehe in den Buchladen. Gehe zum Regal. Ich weiß doch, wo ich finde, was ich so sehnlich brauche. Ich stehe vor dem Regal, nehme das Buch raus, ringe mit mir. Mein Gewissen erwischt mich: „Willst du wirklich das Buch kaufen? Warte noch.“ Es hat ja recht. Ich brauche das Buch nicht jetzt, aber wo ich es doch schon in der Hand habe…Meine Gier siegt über mein Gewissen. Also schleiche ich zur Kasse, rechtfertige mich vor mir selbst. Es ist schließlich nur ein Buch. Lesen ist gut für den Verstand und beim nächsten Mal warte ich ganz bestimmt! Nur noch dieses Buch. Ich zücke mein Portemonnaie und bezahle das Buch. Schnell nach Hause. Jetzt, wo ich es gekauft habe, kann ich es schließlich auch lesen. Wenn ich schon schwach geworden bin, dann auch konsequent. Endlich habe ich das Buch in der Hand und lese es. Ich tauche ein in die Geschichte. Endlich geht es weiter. Und am Ende? Ein neuer Cliffhanger? Oh, nein! Es gab noch keine Lösung für die bestimmte Storyline? Nein, warum? Wie geht es denn bloß weiter? Tja, was bleibt mir anderes übrig? Ich warte und warte…

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2 Kommentare zu “Wechselseitig: Wir als Leser

  1. Das Gefühl kennt bestimmt wirklich jeder Bücherwurm! Das schlimmste Beispiel mag hier Game of Thrones sein… man fragt sich schon fast, ob die Bücher überhaupt noch weitergeschrieben werden sollen, wenn die Serie jetzt doch so erfolgreich ist 🙂

    Liebe Grüße,
    Zimtkuchen

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