Jahresrückblick: Unsere Lieblinge des Jahres 2016

Das neue Jahr hat angefangen. Wir freuen uns schon auf jede Menge neue Bücher und Lesestoff, ob alt oder neu, den wir entdecken können. Erst blicken wir aber noch einmal zurück ins Jahr 2016. Unsere Redakteure haben sich die gelesenen Bücher des vergangenen Jahres angesehen und sich für ihre Lieblinge entschieden, die sie aufregend und begeisternd gefunden haben. Wir wünschen alle einen guten Start ins Jahr 2017.

von Nicole Kutzner:

Mark Twain: Bummel durch Europa

twain_bummel-durch-europa1878 bricht Mark Twain zu einer Reise durch Europa auf und schildert seine Eindrücke in der für ihn typisch spöttischen Art und Weise. Besonderes Interesse scheint bei ihm Deutschland — mit seinem schlechten Essen und der schrecklichen deutschen Sprache — zu wecken, dem er in seinem Buch Bummel durch Europa eine Vielzahl von Kapiteln widmet. Ein grandioser Reisebericht, der zuweilen historisch spannend, in den meisten Teilen hochkomisch und äußerst unterhaltend ist.

Mark Twain: Bummel durch Europa. Zürich: Diogenes Verlag. 1990. 492 Seiten. 11,90 €.

 

Valérie Mréjen: Zitrus

zitrusUnverfälscht und pointiert erzählt Valérie Mréjen in Zitrus über ihre Liebe zu Bruno. Einer Liebe, die nur ihn in den Mittelpunkt ihres Lebens rückt und zum Sinnbild ihrer Existenz macht. Und Bruno? Bruno liebt z.B. Essen, selbst wenn es verschimmelt ist, scheint es auf ihn eine größere Anziehungskraft zu haben als Valérie.
Schonungslos und selbstironisch schildert Valérie Mréjen in kurzen Episoden die Momentaufnahmen einer unglücklichen Liebe, die vermutlich jeder von uns schon einmal erlebt hat und in der Retrospektive nicht zu erklären vermag.

Valérie Mréjen: Zitrus. Frankfurt am Main: Edition Suhrkamp. 2008. 75 Seiten. 7,50 €.

 

Ann Patchett: Bel Canto

patchett_belcantoDass man sich in Freiheit durchaus wie ein Gefangener fühlen kann und in Gefangenschaft durchaus frei, könnte als ein Résumé aus Ann Patchetts Werk Bel Canto gezogen werden. Während der Geburtstagsfeier eines japanischen Geschäftsmannes, zu welcher die berühmte Opernsängerin Roxane Coss eingeladen wird, kommt es zu einer Gefangennahme durch Terroristen, in deren Verlauf sowohl Geiselnehmer als auch Gefangene dem Zauber der Musik erliegen. Bel Canto ist nicht nur eine Hymne an die Oper, sondern auch eine lebendig erzählte Geschichte.

Ann Patchett: Bel Canto. München: Piper Verlag. 2016. 377 Seiten. E-Book. 6,99 €.

 

von Stephan Lesker:

Edward W. Said: Orientalismus

said_orientalismusSaids streitbare, weil die Perspektive des deutschen Sprachraums weitgehend ausklammernde Studie über den Blick des Abendlandes auf den Orient ist jedem, der sich mit dem Morgenland beschäftigen oder auch nur ein wenig darüber wissen möchte, unbedingt zu empfehlen, sofern er bereit ist, Saids Standpunkt auch kritisch zu hinterfragen.

Edward Said: Orientalismus. Frankfurt/M.: Fischer. 4. Auflage 2009. 464 Seiten. 24,95 €.

 

Friedrich Rückert: Kindertodtenlieder

ruckert_kindertodtenliederZur Jahreswende 1833/34 verlor Friedrich Rückert zwei seiner Kinder, darunter seine bis dahin einzige Tochter. Sie starben an Scharlach. Die Trauer spricht aus jedem einzelnen Wort der über 400 Gedichte, die Rückert seinen verstorbenen Kindern schrieb. Bewegend, anrührend, wortgewaltig. Nicht nur, weil 2016 ein großes Rückert-Jahr war (150. Todestag), ist die von Hans Wollschläger und Rudolf Kreutner besorgte historisch-kritische Ausgabe der Kindertodtenlieder unbedingt zu empfehlen, da hier auch wirklich alle Texte versammelt und wissenschaftlich aufbereitet sind.

Friedrich Rückert: Kindertodtenlieder und andere Texte des Jahres 1834. Friedrich Rückerts Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Schweinfurter Edition, hg. von Hans Wollschläger und Rudolf Kreutner Band 8. Göttingen: Wallstein 2007. 624 Seiten. 64,00 €.

 

Tilman Rammstedt: Morgen mehr

Rammstedt_25096_MR.inddVerrückt, aberwitzig, innovativ, abwegig und saukomisch. Ein Roadtrip der etwas anderen Art. Wer nach den Kindertodtenliedern in ein tiefes Loch der Trauer gefallen ist, den holt Tilman Rammstedt da schon wieder raus.

Tilman Rammstedt: Morgen mehr. München: Hanser 2016. 224 Seiten. 20,00 €.

 

 

 

von Torsten Ehlers:

Saša Stanišić: Fallensteller

Fallensteller von Saa StaniiKleine Geschichten, die mal mehr, mal weniger Spaß machen und die mal mehr, mal weniger verspielt sowie mit einer gewissen Melancholie erzählt sind. Außerdem gibt es in einigen Geschichten ein Wiedersehen mit alten Bekannten aus den vorherigen Romanen von Saša Stanišić. Ein Muss also für diejenigen, die diesen Autor mögen.

Saša Stanišić: Fallensteller. München: Luchterhand Verlag 2016. 288 Seiten. 19,99 €.

 

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

vom-ende-der-einsamkeitKann man die Einsamkeit besiegen, wenn sie so über einen hereinbricht wie beim Protagonisten Jules Moreau? Dieser Frage geht Benedict Wells nach und er schafft es, dass der Leser diese Einsamkeit spürt. Ebenfalls bekommt man die Chance all die kleinen und großen Verletzungen des Protagonisten zu spüren. Dies kann dafür sorgen, dass der Leser hin und wieder zusammenzuckt.

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit. Zürich: Diogenes 2016. 368 Seiten. 22,00 €.

 

Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich

UhlmannSophiaTodIchHumor ist, wenn man trotzdem lacht. Thees Uhlmann erzählt mit einer gewissen norddeutschen Ironie von dem Road Trip seines Protagonisten in den Tod. Das ist mitunter humorvoll, aber auch surrealistisch und ein wenig unterkühlt. Sympathisch hanseatisch sozusagen.

Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich. Köln: KiWi 2015. 320 Seiten. 18,99 €.

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