Jasper Fforde: Die letzte Drachentöterin

Die Endlichkeit der Magie

Wie eine Zauberer-Agentur ums Überleben kämpft.

Fforde Drachentöterin

von Torsten Ehlers

Eigentlich wollte ich von Jasper Fforde nichts mehr lesen. Die Thursday-Next-Reihe hatte so viel Potenzial und endete so ernüchternd. Grau wollte ich immer anfangen, hörte dann aber, dass sich dieses Buch so liest, dass es einen weiteren Teil geben müsste. Diesen plant der gute Jasper Fforde wohl bereits seit Jahren. Habe mich dann einfach nicht getraut anzufangen. Plötzlich kommt diese Buchreihe über eine Dame namens Jennifer Strange heraus. Im Freundeskreis hieß es: Das solltest du mal lesen. Nach mehr als einem Jahr habe ich dann wieder mal einen Jasper Fforde gelesen. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Jennifer Strange ist ein Findelkind und auf den ersten Blick eigentlich ein normaler Mensch. Wäre sie in den Romanen von Harry Potter unterwegs, müsste man sie als Muggel bezeichnen. Doch seitdem der Zauberer Zambini verschwunden ist, leitet sie plötzlich dessen Agentur und muss sämtliche Mitarbeiter (meistens sind es Zauberer, die über begrenzte magische Fähigkeiten verfügen) und deren Interessen unter einen Hut bringen. Eine große Aufgabe, denn schließlich sind Zauberer auch nur Menschen und schielen mit mehr als nur einem Auge auf die Rente. Gut, dass Jennifer das neueste Findelkind Tiger Prawns und das außergewöhnlichste Haustier zur Seite stehen. Ein Quarktier, welches eigentlich hässlich ohne Ende sein soll, aber liebenswert in seinem kompletten Verhalten ist. Dieses Trio erscheint eigentlich schon skurril genug, aber die Welt, in der diese drei leben, setzt dem Ganzen noch eins oben drauf.

Eine Welt, in der die Magie stirbt

Der Schauplatz der Handlung sind die sogenannten Ununited Kingdoms. Wie der Name schon sagt, ist dieses Reich mehr als gespalten. Erinnert eigentlich an Großbritannien. Das wäre es vermutlich auch, wenn es sich um unsere Welt handeln würde. In den Ununited Kingdoms ist Magie endlich, denn jede Magie ist an einen Drachen gebunden. Sterben diese aus, ist es vorbei mit der Magie auf der Welt und sämtliche Zauberer wären Taugenichtse und ständen vor dem Ende ihrer Existenzgrundlage. Interessanterweise ist Jennifer die letzte Drachentöterin und sie hat einen Blick in die Zukunft werfen können. Sie tötet den letzten noch lebenden Drachen. Wie erklärt man nun der Welt, dass man weiß, dass man dafür verantwortlich ist, dass die Magie ausstirbt und sämtliche Zauberer arbeitslos sind? Apropos Zauberer, diese verrichten sowieso nur noch Tätigkeiten, die ein Handwerker auch machen würde. Wo ein Handwerker aber eine Woche braucht, kann es sein, dass ein Zauberer zum Beispiel für die Verkabelung eines Hauses nur einen Tag benötigt. Aufträge sind spärlich für Jennifers Agentur und wenn es doch mal einen Auftrag gibt und der nicht ganz exakt nach der Anforderung des Kunden ausgeführt wird, kann es schon mal sein, dass es nur einen Bruchteil des vereinbarten Geldes gibt. Als wäre dies nicht genug, muss Jennifer Strange auch für jedwede Nutzung von Magie ein Formular ausfüllen. Für einen starken Magieaufwand gibt es ein Formular, für einen schwachen Magieaufwand auch. Hat ein Zauberer nur aus Versehen einmal Magie angewandt, gibt es ein Formular dafür. Hat er sich ein Eis herbei gezaubert, muss auch dieses in einem Formular vermerkt werden. Gut, dass Jennifer es manchmal nicht so genau mit den Regeln nimmt, so bleibt jede Menge zu erzählen und vielleicht schafft sie es ja auch, dass die Magie nicht einfach so verschwindet.

Jasper Fforde hat mit Die letzte Drachentöterin ein wunderbares Jugendbuch geschrieben. Seine Stärke sind nicht unbedingt Texte, die eine unaushaltbare Spannung aufbauen, sondern die vielmehr dadurch bestechen, dass sie eine tolle und phantastische Welt erzählen, die es zu entdecken gilt. Dies war bei seinen Thursday-Next-Romanen schon so. Meist plätschern die Texte einfach so dahin, aber man bleibt dran, weil man mehr über diese Welt erfahren will. Genauso verhält es sich auch in diesem Werk. Es ist eine so bizarre und skurrile Welt, die man einfach weiter entdecken möchte. Da kann man nur viel Spaß beim Abtauchen und ein paar vergnügliche Stunden beim Lesen wünschen.

Jasper Fforde: Die letzte Drachentöterin. One Verlag. Köln 2015. 256 Seiten. 14,99 €.

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