Assaf Gavron: Hydromania

Düstere Vision.

Assaf Gavrons Schilderung von möglicher Zukunftsmusik.

Assaf Gavron Hydromania

von Torsten Ehlers

Es ist kein Geheimnis, dass, sollte sich der Mensch nicht vorher von unserem Planeten tilgen, mit welchen schrecklichen Waffen auch immer, der Dritte Weltkrieg um den Zugang zu Trinkwasser entbrennen wird. Die momentane politische Weltlage stellt zumindest das in Assaf Gavrons Hydromania erdachte Zukunftsbild gehörig in Frage.

Im Jahr 2067 teilen sich China, die Ukraine und Japan die Kontrolle über die Wasserversorgung und -vorräte der Welt. Sie haben die Macht, mittels chemischer Substanzen Regen zu erzeugen. Den Regen können die drei Mächte, sollte die Bevölkerung einmal nicht spuren oder aufmüpfig werden, auch zurückhalten. Sprich, sie trocknen die anderen Länder aus. Israel umfasst nicht mal mehr die Hälfte der Fläche, die es heute einnimmt. Mitten in dieser politischen Gemengelage entwickelt die Israelin Maja zusammen mit ihrem Mann ein Speichersystem für Wasser, das die Versorgung durch die drei großen Mächte zu kippen droht. Es entspinnt sich ein Roman, der Science Fiction, Liebesroman und Thriller zugleich sein könnte.

Traurige und trostlose Welt

Israel ist im Jahr 2067 eine Wüste. Die Gebäude sind riesige Türme, die in die Höhe reichen und unterteilt sind in die Zone Meer 1, 2, 3 … Jerusalem gehört schon fast gar nicht mehr dazu und kann somit auch nicht die Hauptstadt sein. Diese ist Cäsarea. Den See Genezareth haben die Palästinenser in einem kurzen blutigen Krieg erobert. Die Bevölkerung Israels lebt sozusagen auf dem Trockenen. Um an Wasser zu kommen, müssen die Einwohner, sofern sie nicht reich sind, exorbitant hohe Kredite aufnehmen, um ihre Wasserversorgung sicher zu stellen. Technologisch betrachtet, sind sie auf einem sehr hohen Level. Telefone oder Kommunikation laufen über einen Chip, den die Menschen im Oberarm implantiert haben. Über diesen können sie auch sämtliche Bankgeschäfte tätigen oder sich in digitalen Spielewelten verlieren, um vor der Realität zu fliehen. Doch die Bevölkerung Israels ist spröde geworden und die Zukunft der Menschen abhängig vom nächsten Regenguß, den die Konzerne aus den drei bereits genannten Ländern ausgesetzt haben. Sie wollen das System, welches Majas Mann entwickelt, mit allen Mitteln haben. Sie locken ihn in eine blutige Falle, der er nur mittels Verrat entkommt. Maja muss, um ihre Zukunft zu sichern, sein System weiterentwickeln und versuchen den Angeboten sowie den Schikanen der Konzerne zu widerstehen und zu entgehen. Doch wird sie wirklich, wie ihr Mann es wollte und noch immer will, dieses Wasserspeichersystem nicht an die Konzerne verkaufen?

Assaf Gavron hat einen fesselnden und ambitionierten Roman geschrieben. Das Thema ist äußerst spannend und enthält eigentlich alle Elemente eines guten Romans. Eigentlich, denn die Figuren sind nur sehr oberflächlich beschrieben. Lediglich Maja und ihr Mann bekommen eine Tiefe, die sie nachvollziehbar machen. Aber auch das gelingt nur bedingt. Sämtliche andere Figuren sind Stereotype, die einem Klischee entsprungen sein könnten. Darüber hinaus ist im gesamten Roman sehr viel los. Vielleicht sind die Elemente aus den Bereichen der Science Fiction oder eines Liebesromans  sowie eines Thrillers einfach zu viel des Guten. Die Erzählweise kommt auch sehr stakkatohaft und damit sperrig daher. Selbst bei guter Konzentration kann man dem Roman manchmal nur schwer folgen, denn der Autor versucht so viele Informationen wie möglich in einem Abschnitt zu verpacken. Möglicherweise ist dieser Eindruck der Erzählweise aber auch der Übersetzung geschuldet und Gavron ist hier gar kein Vorwurf zu machen. Dennoch bleibt der Eindruck, dass dieser Roman sein Potenzial nicht ausschöpft, weil er vielleicht, ähnlich wie Jan Böttcher mit Y, zu viel gewollt und sich damit verhoben hat.

Assaf Gavron: Hydromania. Luchterhand Verlag. München 2009. 288 Seiten. 7,99 €.

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2 Kommentare zu “Assaf Gavron: Hydromania

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