Wechselseitig: Wir als Leser

Auf der Suche nach einer Buchhandlung – Eine Odyssee

IMGP2260 - Kopie

von Joma Jour

Jeder von uns hat wohl „seine Buchhandlung“. Mal ist es die kleine Persönliche, mal die große Anonyme oder auch ein Anbieter im Internet. Jeder, wie er möchte. Bücher bekommt man bei allen. Wie ist das aber, wenn man sich fern der heimatlichen Gefilde herumtreibt? Stichwort: Urlaub.
Natürlich fahre ich nie ohne mindestens ein Buch in den Urlaub. Bei meinem Lesetempo sind es meistens deutlich mehr. Und trotzdem lande ich im Urlaub immer in einer Buchhandlung, obwohl es manchmal sogar dieselben Ketten sind, die ich auch zu Hause habe. Trotzdem ziehen sie mich magisch an. Wie bei einem kleinen Kind: Es sieht etwas Interessantes und muss es sofort haben. Ich sehe einen Buchladen und muss sofort hineingehen. Gucken kostet ja nichts.
Nun befinde ich mich aber in einem meiner Urlaube auf einer Insel. Viele Dörfer und Kleinstädte. Buchhandlungen sind spärlich gesät und ausgerechnet diesmal brauche ich eine. Bücher habe ich auch diesmal genug mitgenommen, aber nachdem ich das erste Buch fertig gelesen habe, spricht mich keins der Mitgebrachten mehr an. Ich muss also dringend ein anderes Buch kaufen. Nun aber eine Buchhandlung mit dem richtigen Buch zu finden, erweist sich als schwierig.

Das Suchen beginnt

Erstmals muss ich das Internet befragen, wo sich denn die nächsten Buchhandlungen befinden. Einige erweisen sich als ungeeignet, denn sie überschneiden sich nicht mit den geplanten Ausflugszielen. Dann doch ein Treffer. Also los zum Ausflug und nebenbei ein Buch besorgen. Zuerst ist Sightseeing angesagt. Leider beschließt der Himmel zu weinen. Also Sightseeing im Regen. Hebt die Laune nicht. So erscheint die Buchhandlung als gute Alternative. Schutz vor den Himmelswassermassen und gleichzeitig Bücher shoppen. Super! Oder auch nicht. Es ist ein kleiner Buchladen. Noch kein Problem. Nur ist auch das Angebot klein. Sehr überschaubar und auf Touristen zugeschnitten. Leider nicht auf mich. Kein Buch spricht mich an, nichts springt mir ins Auge. Nach einer halben Stunde stehe ich immer noch mit leeren Händen da. Und einfach irgendwas kaufen, um überhaupt etwas zu kaufen, will ich auch nicht. Also wieder raus aus dem Laden. Ohne Buch. Eine Freundin schlägt vor, bei Rossmann zu schauen. Schließlich gibt es da auch ein paar Bücher. Wieso nicht? Aber auch hier finde ich nichts. War ja klar. Und so habe ich am Ende des Tages neue Eindrücke und nasse Kleidung gewonnen, aber keine Lektüre.

Neuer Tag, neues Glück?

Am nächsten Tag geht es zu einem neuen Ort. Dieser soll ebenfalls einen Buchladen haben. Vorsichtig regt sich Hoffnung in mir. Vielleicht finde ich ja dort mein Urlaubsbuch. An einem Haus steht „Buchhandlung“. Also nichts wie rein. Ich gehe nach drinnen und sehe Regale mit…Karten, Kalendern, Mitbringseln. Wo sind die Bücher? Ah da, hinter mir sind tatsächlich ein paar Romane und Kochbücher. Zusammen genommen vielleicht zehn Bücher. Das soll eine Buchhandlung sein? Nein, hier ist der Name keinesfalls Programm, sondern Irreführung. Nach einer Minute bin ich wieder draußen. Schwer enttäuscht. Das ist kein Ort für meinen Lieblingsgegenstand. Es ist einfach nur ein Sterbeort für Bücher. Meine Hoffnung ist dahin.
In einem weiteren Versuch gehe ich tatsächlich zu einem Supermarkt, um ein Buch zu finden. Natürlich habe ich auch hier kein Glück. Ich möchte schon aufgeben, aber eine letzte Buchhandlung bekommt eine Chance. Sie liegt nicht in einer der absoluten Touristen-Hochburgen auf der Insel, sondern in einem kleinen Ort, der etwas Abseits liegt. Er ist beschaulich, aber hübsch und gepflegt. Im „Zentrum“ direkt neben der Kirche ist ein schönes rosa Haus. Auch hier steht Buchhandlung dran, aber der erste Eindruck ist schon viel besser. Vor dem Haus stehen hübsche Blumen und in den Schaufenstern sind Bücher. Ich trete durch eine bunte Tür in den Laden und bin sofort begeistert. Die Atmosphäre und die Stimmung rufen unmissverständlich: Ich bin eine Buchhandlung. Das Licht ist gemütlich und heimelig. Auch dieses Geschäft ist klein, aber hier gibt es Bücher. Überall. In den Regalen, auf Tischen und auch im Halbkreis aufgestellt auf dem Boden. Die Buchhandlung ist eingeteilt in eine Kinder- und eine Erwachsenenseite. Die Atmosphäre ist entspannt und lädt zum Stöbern ein. Hier werden Bücher geliebt. Hier gibt es Bücher für alle: Für den anspruchsvollen Leser oder für den Leser, der einfach nur eine unterhaltende Urlaubslektüre sucht. Die Besitzerin des Ladens ist freundlich und begrüßt mich sofort. Meine Stimmung hebt sich augenblicklich. Begeistert stürze ich mich auf die Regale. Das Stöbern beginnt. Ich verbringe bestimmt die nächste halbe Stunde damit, mir verschiedene Bücher anzusehen und ich werde fündig. Endlich ist das Richtige dabei. Am Ende befinden sich zwei neue Bücher in meinem Besitz. Meine Suche hat ein Ende. Es hat lange gedauert und fühlte sich wie eine Odyssee an, aber jetzt kann ich glücklich nach Hause gehen. Mit Büchern und dem guten Gefühl, dass es tatsächlich Buchhandlungen gibt, die den Namen verdienen.

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