A.K. Benedict: Die Seelen von London

Wie Geister und Menschen nebeneinander her leben.

Ein phantastischer Kriminalroman?

Benedict Seelen von London

von Torsten Ehlers

Es ist wunderbar, wie Klappentexte wirken. Sie können dafür sorgen, dass wir ein Buch kaufen oder auch nicht. Sie sind meist auch Auslöser dafür, dass wir noch einmal ins Buch hinein schauen und uns überzeugen wollen, dass wir auch wirklich das bekommen, was wir uns ausgesucht haben. Ohne, dass wir es bemerken, werden wir beeinflusst von dem, was auf dem Buchumschlag steht. Diese wenigen Worte haben Macht über uns, wie es vielleicht nur Geister haben können. Mit dem Klappentext auf A.K. Benedicts Die Seelen von London verhält es sich genauso. Ich war neugierig auf dieses Buch. Es versprach Spannung verbunden mit unerklärlichen, ja phantastischen, Nebenhandlungen.

All dies bekommt man durchaus. Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt. Ein Detective namens Jonathan Dark jagt einen Stalker, den er bei einem vorherigen Fall nicht schnappen konnte. Das Opfer ist tot und Dark kreidet sich das u.a. selbst an. Nun hat sich dieser Stalker aber ein neues Opfer gesucht. Maria ist eine Schlammgründelerin in London. Sie durchsucht bei Ebbe die Erde, die die Themse zurückgelassen hat, und findet allerlei angeschwemmte Sachen. So auch einen Finger, an dem ein Ring befestigt ist, der die Gravur trägt: „Heirate mich“. Maria ist blind und ahnt sofort, dass sie in Gefahr schwebt, denn die Gravur ist in Brailleschrift angebracht. Hier nun beginnt eine Handlung, die für einen normalen Krimi oder Thriller schon reicht, aber was Jonathan Dark und Maria nicht wissen: Der Geist des vorherigen Opfers versucht, den Stalker ebenfalls zu finden. Das Problem ist nur, dass sowohl Jonathan Dark als auch Maria keine Geister wahrnehmen können. Es gibt nur wenige Menschen in London, die es sich bewahrt haben, diese Geister zu sehen. Spannung pur, denn nicht nur der Kriminalfall hat alle Chancen, den Leser in den Roman zu ziehen, sondern auch die Nebenhandlung mit den Geistern. Diese erscheinen nämlich direkt neben den Lebenden, ohne dass diese sie bemerken würden. Es ist sozusagen eine Gesellschaft neben der Gesellschaft. Zwischendrin ist es fast spannender zu lesen, wie diese beiden beschriebenen Welten nebeneinander existieren und welche Mittel die Geister anwenden, damit die Lebenden nicht durch sie hindurch laufen. Es entwickelt sich ein Trivialroman, der durchaus seine Momente hat, die jeder für sich selbst entdecken muss. Doch eines wird mit jedem gelesenen Wort klar, es plätschert einfach vor sich hin.

A.K. Benedict legt hier eine wundervolle Idee für einen spannenden Trivialroman vor. Doch die Geister, die der Klappentext heraufbeschwört, kann die Autorin nicht in den Griff kriegen. Es verhält sich ein bisschen so, wie mit Goethes Zauberlehrling, in dem es ja auch heißt: „Die ich rief, die Geister, Werd ich nun nicht los.“ Doch es gibt auch Positives in diesem Buch. Von Seite 300 bis 340 entwickelt sich so etwas wie Erzähltempo, hier könnte sich durchaus ein Sog entwickeln, der den Leser buchstäblich in die Geschichte hinein saugt. Aber bei 400 Seiten ist das viel zu wenig und so bleibt nur zu sagen: Eine tolle Idee, dieser Roman, aber Geistergeschichten zu handhaben, kann leider nicht jeder. Vielmehr verhält es sich hier eher so, dass A.K. Benedict zwei Geschichten erzählt. Sie erzählt einen Krimi und eine Geistergeschichte. Zwar unternimmt die Autorin Versuche, diese Geschichten zu verknüpfen, aber die handelnden Figuren, die dies bewerkstelligen sollen, sind pure Klischees und es passt keinesfalls zu ihnen, dass sie zu solch absurden Handlungen fähig sind, wie zum Beispiel mit Geistern zu sprechen oder zusammen in einem Haushalt zu leben. Da es sich so verhält, springt der Funke nicht über, den man zum Beispiel bei manchem Dr. Who-Roman oder auch Aaronovitchs Peter-Grant-Reihe verspürt. Die sind dann wenigstens konsequent absurd und verrückt.

A.K. Benedict: Die Seelen von London. Knaur Taschenbuch. München 2017. 400 Seiten. 14,99 €.

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