Archiv

Wilhelm Raabe: Der Schüdderump

Die Machtlosigkeit des Erzählers

Der Schüdderump oder Wie Wilhelm Raabe dem Leid in seinen Büchern ohnmächtig zusehen muss.

Unbenannt

von Stephan Lesker

Eine der elementarsten Erfahrungen des Menschen ist die Ohnmacht; die Ohnmacht derjenigen Instanz gegenüber, die vermeintlich das Leben lenkt und die so gerne als Schicksal bezeichnet wird. Im Glück wie im Unglück muss der Mensch erkennen, dass er letztlich sein Leben nicht in der Hand hat. Jemand, der dieses Lebensprinzip nicht nur erkannt, sondern meisterhaft zum bestimmenden Antrieb seines Schreibens gemacht hat, ist Wilhelm Raabe. Weiterlesen

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Jules Verne: Der grüne Blitz

Auch Liebe kann ein Abenteuer sein

9783866481800[1]

von Nicole Kutzner

Die schöne Helena

Die beiden Brüder Samuel und Sebastian, von ihrer Nichte liebevoll Sam und Sib genannt, sind Zeit ihres Lebens Junggesellen geblieben. Sie sehen ihre Lebensaufgabe lediglich darin, ihrer verwaisten Nichte Helena uneingeschränkte Aufmerksamkeit, Geduld und Liebe entgegen zu bringen. So sind beide stets bemüht, Helenas Wünsche voraus zu ahnen und zu erfüllen, ihr eine angemessene Erziehung zukommen zu lassen und sie mit einem „braven Kerl ihrer Wahl zu verheiraten“. Wie richtige Eltern finden sie, dass Helena viel zu schnell erwachsen geworden ist und ähnlich wie ein zu schnell gewachsener Rosenstock eine zweite Stütze benötigt. Diese Stütze meinen sie in dem, wie sich später herausstellt, fantasie- und humorlosen Aristobulus Ursiclos zu finden.  Weiterlesen

Heinrich Böll: Billard um halb Zehn

Ein erzählerisch grandioser Trümmerhaufen

Billard um halb Zehn – Der Schatten des Krieges

von Stephan Lesker

Wenn man ein Buch von Heinrich Böll aufschlägt, weiß man einerseits was man bekommt: Seine Sprache ist durch ein unverwechselbares Timbre gekennzeichnet. Der Ton der böll‘schen Texte zeichnet sich durch eine bleierne Schwere aus, die Ihresgleichen sucht. Andererseits kann man sich von Heinrich Böll auch immer wieder überraschen lassen. Die Art und Weise, wie er sich seinen Themen nähert, ist nämlich von Buch zu Buch verschieden. Weiterlesen

Peter Handke: Wunschloses Unglück

Eine unstillbare Blutung

In Wunschloses Unglück beweist Peter Handke, dass Sprache kein Heilmittel ist.

Wunschloses Unglück

von Stephan Lesker

Es soll bekanntlich helfen, in Krisenzeiten seine Erfahrungen und Gedanken aufzuschreiben. So haben auch viele Schriftsteller schreckliche Erfahrungen ihres Lebens literarisch verarbeitet. Erich Maria Remarque ist mit Im Westen nichts neues sicher das prominenteste Beispiel. Die Erlebnisse, die Remarque als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg machen musste, bilden den Grundstock seines Buches. Dieses Vorgehen setzt sich durch die gesamte Literaturgeschichte fort: von Goethe bis Robert Gernhardt verarbeiten Literaten ihr Schicksal innerhalb der Sprache. Das dies aber keineswegs immer gelingt, stellt Peter Handke meisterhaft zur Schau. Weiterlesen